Saalfeldener Zeitgeschichte 1945-1955
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Karl Reinthaler. Dagegenhalten.
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Unter US-Besatzung

Die Alliierten formulierten in der Moskauer Deklaration von 1943 das Ziel, Österreich "das erste frei Land, das der typischen Angriffspolitik Hitlers zum Opfer fallen sollte, von deutscher Herrschaft befreit werden soll."1 Diese Feststellung sollte sich mit tiefgreifenden Konsequenzen für die Vergangenheitsbewältigung in Österreich für viele Jahrzehnte als "Opfermythos" im kollektiven Gedächtnis unseres Landes festsetzen.
Die Erinnerungen an die US-amerikanischen Besatzer sind sehr vielfältig und abhängig davon, in welcher Lebensphase und mit welchen Ereignissen man mit den US-amerikanischen Soldaten konfrontiert war: Bei einigen v.a. älternen SaalfeldenerInnen sind die ersten Tage nach dem 4. Mai 1945 am stärksten in Erinnerung geblieben, als die fremden Soldaten z.B. rücksichtslos und raubend durch den Ort gezogen sind. Bei anderen haben sich spätere konkrete Erfahrungen mit einzelnen amerikanischen Soldaten stärker eingeprägt, die zumeist von großer Sympathie und gegenseitiger Akzeptanz gekennzeichnet waren. V.a. Jugendliche waren fasziniert von dem vielen Neuen, mit dem sie durch die Anwesenheit der US-Amerikaner erstmals in Kontakt kamen.

Im Laufe der Jahre veränderte sich das Verhältnis zwischen Einheimischen und Besatzern grundsätzlich, die Anwesenheit der "Fremden" wurde mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit. US-Soldaten, die erst in den 1950er Jahren nach Saalfelden kamen, beschrieben dem entsprechend ihr Verhältnis zur örtlichen Bevölkerung als freundlich. Mit ein Grund war sicherlich auch die Tatsache, dass man auch in Saalfelden bald erkannte, dass die anwesenden Soldaten zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor im Ort geworden waren. Tränenreich und schwer war der Abschied von den US-Truppen 1955 bei all jenen, die persönliche Beziehungen zu einzelnen Soldaten aufgebaut hatten, schwer, weil mit Angst vor den wirtschaftlichen Konsequenzen besetzt, war er aber auch bei all jenen, deren persönlicher Aufschwung mit den US-Amerikanern verbunden war.

Der befürchtete wirtschaftliche Absturz des Landes Salzburg nach dem Abzug der US-Amerikaner wurde rasch durch den Aufschwung des Tourismus aufgefangen und erreichte nicht die befürchtete Tragweite. Als Folge der zehn Jahre Besatzungszeit ist nicht nur die Westorientierung Österreichs zu nennen, sondern v.a. auch die vielfältigen Prägungen durch die US-amerikanische Kulturpolitik.

1 Vgl. Stourzh, Gerald (1998). Um Einheit und Freiheit. Staatsvertrag, Neutralität und das Ende der Ost-West-Besetzung Österreichs, Wien/ Köln/ Graz.


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