Saalfeldener Zeitgeschichte 1945-1955
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Karl Reinthaler. Dagegenhalten.
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Gefangenschaft

Während die Westalliierten ihre Kriegsgefangenen meist relativ schnell in die Freiheit entließen, gerieten viele Salzburger und natürlich auch Saalfeldener in russische oder jugoslawische Gefangenschaft. Der erste Rücktransport von Gefangenen aus Russland traf erst am 12. September 1947 in Österreich ein.

Für viele Kriegsgefangene und natürlich Angehörige hieß es allerdings noch warten. Ein Liste der Marktgemeinde Saalfelden vom Februar 1947 wies 75 Kriegsgefangene Saalfeldner in Russland und 105 meist unbestimmten Orts Vermisste aus.

Für die Kriegsgefangenen in Russland und Jugoslawien mussten von Verwandten eigene Gesuche um Entlassung ausgestellt werden, denen Bescheinigungen einer der drei Parteien über das Verhältnis des Kriegsgefangenen zur NSDAP, eine Bescheinigung der Berufsvertretung oder des Arbeitsamtes über die Dringlichkeit seiner Heimschaffung aus beruflichen und wirtschaftlichen Gründen, Heimatschein und evt. Beweise über die Verfolgung des Hitlerregimes beigeschlossen und an das Rote Kreuz gesandt werden musste.

Doch auch für die Heimkehrer bedeutete die Heimkehr häufig einen schwierigen Neuanfang, sahen sich diese doch ebenso mit den widrigen Umständen in der Heimat konfrontiert, wie es ein Zeitzeuge formulierte:

"Man muß bedenken: Die Heimkehrer waren ja geschlagene Hunde, kann man sagen, zum Teil verwundet, zum Teil krank, zum Teil in einem schlechten Zustand, zum Teil nicht wissend, was sie beruflich anfangen sollen. [...] Sie standen eigentliche alle vor dem Nichts, wenn einer nicht gerade ein Bauernsohn war oder einen gewissen Beruf hatte, in dem man sofort wieder Fuß fassen konnte, in manchen Handwerksberufen etwa, weil da war ein großer Bedarf da."1

1 Interview mit Siegfried W., Saalfelden, in: Bauer, Ingrid (1998). Welcome Ami Go Home. Die amerikanische Besatzung in Salzburg 1945-1955. Einnerungslandschaften aus einem Oral-History-Projekt, Salzburg.