Saalfeldener Zeitgeschichte 1945-1955
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Karl Reinthaler. Dagegenhalten.
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Staatsvertrag

Die Feststellung der Alliierten in der Moskauer Deklaration von 1943, dass Österreich "das erste freie Land [gewesen sei, Anm.], das der typischen Angriffspolitik Hitlers zum Opfer fallen sollte [...]" begründete nicht nur den "Opfermythos" in Bezug auf den Nationalsozialismus in Österreich, sondern war auch Voraussetzung für den Abschluss eines "Staatsvertrages" und nicht eines "Friedensvertrages" wie mit Deutschland.
Österreich wurde als ein Land behandelt, das weder einen Krieg erklärt noch geführt hat, allerdings als Teil Deutschlands an den Kämpfen des Zweiten Weltkrieges teilgenommen hatte. So zählten wir 1945 weder zu den Siegern noch zu den Besiegten.
In Österreich hatte dies die Erwartung genährt, dass es bald zum Abschluss eines Staatsvertrages kommen werde. So klagte auch der Saalfeldener Bürgermeister in seinen Berichten an die US-Militärverwaltung und an die Bezirkshauptmannschaft zur Stimmung in der Bevölkerung darüber, dass man die schleppenden und schon so lange andauernden Verhandlungen rund um die Souveränität des österreichischen Staates nicht verstehe.

Die Gründe, warum die Verhandlungen über den Österreichischen Staatsvertrag erst 1955 abgeschlossen werden konnten, sind vielfältig. U.a. ist dies auch auf die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den Besatzungsmächten und den Ausbruch des Kalten Krieges im Laufe der Besatzungszeit zurückzuführen. Die Konflikte verschärften sich auf österreichischem Boden z.B. rund um die Themen Erdöl, Währungswechsel von Reichsmark auf Schilling, Beschlagnahme von "Deutschem Eigentum" u.ä. Karl Renner und die erste Bundesregierung wurden zunächst als Marionette Moskaus gesehen und erlangten erst nach und nach allgemeine Anerkennung durch alle Alliierten. Auch unterschiedliche Vorstellungen über den zukünftigen Status Österreichs trugen dazu bei. Erst der Tod Stalins und die Übernahme der Regierungsgeschäfte durch Julius Raab im Jahre 1953 brachten Bewegung in die Verhandlungen rund um Österreichs Staatsvertrag, der schließlich am 15. Mai 1955 unterzeichnet wurde.

Quellen:
Stourzh, Gerald (1998). Um Einheit und Freiheit. Staatsvertrag, Neutralität und das Ende der Ost-West-Besetzung Österreichs, Wien/ Köln/ Graz, S. 607.
Leidinger, Hannes (2005). Geteilte Wirklichkeit. Die Österreichische Besatzungszeit im Überblick, in: Besetzte Bilder. Film, Kultur und Propaganda in Österreich 1945-1955, Wien, S. 15f.