Saalfeldener Zeitgeschichte 1945-1955
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Zwangsarbeit

Mit dem Begriff "Zwangsarbeiter" ist jede Art von Zwangsarbeit gemeint und auch Zwangsarbeiter aller Nationalitäten wie Juden, Polen, Ukrainer, Russen, Franzosen und anderer Herkunft sowie die so genannten "ausländischen Zivilarbeiter", wie sie während der NS-Zeit bezeichnet wurden. Zusätzlich kamen noch zahlreiche Kriegsgefangene zum Einsatz. Rund ein Viertel aller Arbeiter zwischen 1938 und 1945 im Reichsgau Salzburg waren Zwangsarbeiter. Den absoluten Höhepunkt erreichte die Zahl im Februar 1945, wo im Reichsgau 24.574 Ausländer im Arbeitseinsatz waren. Dabei stellten die "Ostarbeiter" und die Polen die größten Gruppe der "zivilen Ausländer".
Im Landkreis Zell am See, der vom Gebiet her dem heutigen Pinzgau entspricht, gab es unterschiedliche Wirtschaftszweige, wo Zwangsarbeiter zum Einsatz kamen. Firmen, Gemeinden, Bauern, Gastwirte usw. nutzten die Möglichkeit, Zwangsarbeiter in ihren Betrieben einzusetzen. Alle wirtschaftlichen Bereiche profitierten vom System der Ausbeutung von Zwangsarbeitern. Gerne wird dieser Aspekt verdrängt bzw. oftmals auch nicht als Ungerechtigkeit empfunden oder mit dem Krieg entschuldigt. Nichts desto trotz darf nicht vergessen werden, dass es sich um Menschen gehandelt hat, die zur Arbeit gezwungen und ihrer Freiheit beraubt wurden.

Im Pinzgau gab es im Wesentlichen drei Bereiche, wo "zivile Ausländer" und/ oder Kriegsgefangene eingesetzt wurden: Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe sowie im Straßen- und Eisenbahnbau; Projekte, die mittels Zwangsarbeit realisiert worden waren, sind der Bau der Pinzgauer Reichsstraße (die heutige B 311), die Umfahrung Lofer und die Paß Thurnstraße.1 Ein Mammutprojekt war daneben der Kraftwerksbau in Kaprun sowie im Stubachtal, wobei das Lager Weißsee ab dem Früjahr 1943 sogar ein Außenlager des KZ Dachau war.

In Summe wurden im Pinzgau allein 5.535 Zwangsarbeiter im Baugewerbe eingesetzt, in Saalfelden waren 463 Zwangsarbeiter allein in der Landwirtschaft tätig, wobei noch zahlreiche Kriegsgefangene hinzukamen, deren Zahl aber unbekannt ist..

1 Vgl. SLA, RSTH V/b,17/1939.